Grußwort zum 10jährigen Bestehen im
Jahre 1999
von Joachim Schultz-Tornau
Wer als Unternehmen in Bielefeld 100
Jahre überdauert hat, dem überreicht ein Bürgermeister einen großen Leineweber
aus Bronze. Niemand kann diese Leineweberstatue erwerben, sie ist nur zu diesem
Anlass erhältlich. Der bronzene Leineweber steht für die Geschichte unserer
Stadt, er steht für Dauerhaftigkeit, für Stärke, für Zuverlässigkeit über die
Zeiten. 10 x 10 Jahre mit zwei Weltkriegen, einem Kaiserreich, zwei Republiken,
einer Diktatur, das ist schon bewunderungswürdig, wenn eine Unternehmen dieses
alles überlebt hat.
1989 bis 1999, das waren im
Gegensatz dazu 10 Jahre Frieden - Leben in einem demokratischen Rechtsstaat, in
einer wohlhabenden Stadt. Ist es da überhaupt angemessen, das Bestehen eines
Vereins in dieser kurzen Zeitspanne als etwas Feierwürdiges zu betrachten?
Ja - weil gerade in einer Zeit, in
der so viel darüber geklagt wird, Gemeinsinn gehe verloren, die Bereitschaft,
sich für etwas einzusetzen, was nicht dem eigenen Vorteil diene, sei immer mehr
im Schwinden, es Achtung verdient, wenn Menschen es geschafft haben, 10 Jahre
lang Ziele zu verfolgen, die nicht nur im rechtlichen, sondern vor allem im
tatsächlichen Sinn gemeinnütziger Natur sind.
Den “fernen Gefährten” Japan in
seiner Kultur, seiner Wirtschaft, seiner Geschichte möglichst vielen Menschen in
unserer Region vertrauter und verständlicher zu machen, das ist gewiss kein
großer Baustein auf dem Weg zu der “einen Welt”, aber es ist ein Baustein, aus
dem ein tragfähiges Bauwerk werden kann, wenn viele andere Bausteine dazukommen.
10 Jahre Deutsch-Japanische
Gesellschaft Bielefeld e.V., das spiegelt auch eine Entwicklung, die Anlass zur
Freude gibt. Als der Schritt gewagt wurde, da waren es gut 20 Mitglieder, heute
sind es über 100. Das reichhaltige Programm ist äußerer Ausdruck von großem
persönlichem Einsatz einzelner Mitglieder. Alles in diesem Verein geschieht ja
ehrenamtlich und das ist in diesem Falle buchstäblich gemeint: Die
630-Mark-Problematik berührt uns nicht. Dank zu sagen allen, die diesen Verein
durch ihre Ideen und ihre Tatkraft tragen, das ist auch ein Sinn der Feier. Die
Anerkennung, die sich der Bielefelder Verband unter den mehr als 40
Deutsch-Japanischen Gesellschaften erworben hat, dokumentiert die Tatsache, dass
das diesjährige Jahrestreffen aller Gesellschaften in Bielefeld stattfand.
10 Jahre, das ist aber auch ein
Alter, in dem noch Blütenträume reifen. Ein japanischer Garten auf dem Gelände
Bethels beim Lindenhof, das ist der große Traum für die Zukunft. Wir glauben
trotz aller Schwierigkeiten an seine Verwirklichung, weil er eine große
Bereicherung wäre, nicht nur für die Menschen, die in Bethel leben, sondern für
unsere ganze Region und ein Symbol freundschaftlicher Begegnung zwischen
Deutschen und Japanern.
10 geglückte Jahre: Sie sind Anlass
zur Freude, sie sind Ansporn, nicht stehen zu bleiben, sondern einen fruchtbaren
Boden zu bereiten für ein weiteres, erfolgreichen Jahrzehnt.