Gisela Schwerdt - geb. am 7. März 1917 in Bielefeld -
gestorben im Herbst 1997Gisela Schwerdt, die »freundliche Bürgermeisterin der freundlichen Stadt am Teutoburger Wald« (so der damalige Regierungspräsident Walter Stich bei der Übergabe des ihr verliehenen Bundes-verdienstkreuzes erster Klasse) war Liberale von Geblüt und aus Leidenschaft; Sie stammte aus einer Bielefelder Handwerkerfamilie - ihr Vater war selbständiger Dachdeckermeister - und sie war stolz darauf: nie die äußere und vor allem die innere Unabhängigkeit zu verlieren, war ihr wichtig. Sie liebte ihre Heimatstadt Bielefeld und engagierte sich in vier Jahrzehnten kommunalpolitisch, lange Jahre in der bis 1973 selbstständigen Gemeinde Senne I, zuletzt als stellvertretende Bürgermeisterin, seit 1973 Bürgermeisterin Bielefelds mehr als zehn Jahre lang. Über viele Jahre hinweg hat sie als Vorsitzende des Planungsausschusses des Rates das Gesicht der Stadt Bielefeld mitprägen können. Zeit ihres Lebens war ihr immer alles engherzige und kleingeistige zuwider. So focht sie zwar mit Überzeugung für ihre liberale Partei. Weil sie aber Menschen anderer politischer Überzeugung achtete, war sie auch über Parteigrenzen hinweg beliebt und angesehen. Sie war überzeugte evangelische Christin, aber zeigte großen Respekt vor den katholischen Mitchristen. So erklärt es sich, dass ein besonders herzlich und persönlich gehaltenes Glückwunschschreiben zu ihrem 70. Geburtstag von Erzbischof Degenhardt stammte, den sie schon kannte, als dieser noch junger Kaplan in Brackwede war. Und so erklärt es sich, dass der heutige Fuldaer Bischof Algermissen, damals Weihbischof in Paderborn, in der Krypta des Domes anlässlich ihres Todes eine Seelenmesse für sie las. Sie war ein Mensch reich an Begabungen und Interessen. So wurden ihr wichtige Ehrenämter in sozialen und kulturellen Feldern anvertraut: Sie war Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Bielefeld und Vorsitzende der Jungen Symphoniker Ostwestfalen-Lippe. Als Arminia Bielefeld beinahe am Ende war, wurde sie mit fast 70 Jahren zur Präsidentin gewählt - als erste Frau eines Profi-Fußballclubs in Deutschland. Nach einem halben Jahr allerdings schlug das Männerimperium zurück, und sie wurde wieder abgewählt. Über viele Jahre hinweg saß sie auch als einzige Frau im Hauptausschuss des Deutschen Städtetages. Alles, was sie politisch tat, stellte sie unter das Leitmotiv des großen britischen Liberalen Gladstone: »Was moralisch falsch ist, kann politisch nicht richtig sein.« Gisela Schwerdt war eine gute deutsche Patriotin: Sie liebte ihr Vaterland, aber dumpfer Nationalismus war ihr zuwider, Nazidenken war ihr verhasst. Die Begegnung mit Menschen anderer Völker und Kulturen war ihr stets Freude und Anliegen. Vor allem durch ihr Engagement kam so in den 60ern die Partnerschaft zwischen Senne I und Concarneau zustande. In Concarneau trug sie den Ehrennamen »mère de jumelage« (Mutter der Partnerschaft). Maßgeblich beteiligt war sie auch am Entstehen der Partnerschaft zwischen Bielefeld und der israelischen Stadt Naharya, die ihr besonders wichtig war, weil dort viele deutsche Juden - auch aus Bielefeld - Zuflucht gefunden hatten. Aus dieser Gesinnung heraus: Wir werden selbst reicher, wenn wir den Reichtum einer fremden Kultur auf uns wirken lassen, wurde sie auch zu einem guten Geist für die Deutsch-Japanische Gesellschaft Bielefeld. Ihr guter Rat und ihre ständige Ermutigung waren wichtige Bausteine auf dem Weg zur Entstehung dieser Gesellschaft. Sie stand auch am Anfang, als die Idee geboren wurde, in Bielefeld einen japanischen Garten zu errichten. Ihre Idee war es, diesen Garten im Bereich des allerdings bis heute nicht verwirklichten Schildescher Untersees zu errichten. Wie viele andere Menschen und Institutionen hat demnach auch die Deutsch-Japanische Gesellschaft Bielefeld allen Grund, Gisela Schwerdt in Dankbarkeit zu gedenken.
(von
Joachim Schultz-Tornau)
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